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09.30 Uhr
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Sexualität im Dialog: Wenn Neutralität nicht ausreicht
Vortragende: Mag.a Nina-Celine Luciak
Vortrag & Diskussion
Der Imago Dialog zielt auf Verbindung, Verständnis und eine Beziehung auf Augenhöhe ab.
In der Praxis zeigt sich jedoch gerade im Bereich Sexualität, wie herausfordernd dieser Anspruch werden
kann. Sexualität ist ein hoch verdichteter Beziehungsraum: Hier treffen Nähe und Distanz, Scham und
Erwartung, Autonomie und Anpassung sowie Körperlichkeit unmittelbar aufeinander. Und genau hier stellt
sich für Therapeut*innen immer wieder die Frage, wie wir über Sexualität sprechen können und welche
Wirkung unsere Art des Fragens und Deutens hat.
In der Arbeit mit Paaren begegnen uns häufig sehr konkrete, wiederkehrende Themen:
Lustunterschiede, Performancedruck, Kommunikationsschwierigkeiten, Schamgefühle sowie
Unsicherheiten darüber, wie viel und welcher Sex „normal“ ist. Häufig sind dabei Mythen über Lust und
Orgasmus ebenso wirksam wie (un)ausgesprochene Ansprüche, Erwartungen oder Rückzüge.
Dieser Vortrag geht der Frage nach, warum uns diese Themen so konstant begegnen und wie sehr unsere
Vorstellungen von Sexualität durch gesellschaftlich geprägte Bilder von Geschlecht und Machtverhältnis-
sen beeinflusst sind. Er lädt Therapeut*innen und Berater*innen dazu ein, ihre persönlichen Assoziationen
zu Sexualität zu reflektieren und die eigene Haltung in der Begleitung von Einzelpersonen und Paaren im
Umgang mit Sexualität und Intimität bewusster wahrzunehmen.
Welche Fragen stellen wir selbstverständlich? Wessen Perspektive wird schneller als nachvollziehbar
erlebt? Wo wird Lust oder Lustlosigkeit individualisiert, statt als relationales und gesellschaftlich geprägtes
Geschehen verstanden? Unsere Sprache und unsere impliziten Annahmen entscheiden mit darüber, ob
Scham verstärkt, Druck abgebaut oder neue Perspektiven möglich werden.
Dabei zeigt sich: Auch der Anspruch auf Neutralität ist im Feld Sexualität in einer patriarchal geprägten
Gesellschaft nicht wertfrei, sondern wirkt häufig als unsichtbarer Verstärker bestehender Normen und
Ungleichgewichte.
Ziel ist es, Sexualität im Imago Dialog nicht mehr als Randthema zu behandeln, sondern als zentralen
Bereich therapeutischer Verantwortung: dort, wo sich zeigt, ob Beziehung als Raum von Gleichwertigkeit
und echter Intimität erlebt werden kann. Dabei zeigt sich besonders deutlich, wie stark die therapeutische
Haltung beeinflusst, welche Dynamiken sichtbar werden und welche Entwicklung möglich wird.
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11:30 Uhr
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Zwei parallele Workshops
Workshop A
Der Imago-Dialog – Segen oder Fluch im Schatten des Patriarchats
Workshop-Leiter*innen: Mag.a Elisabeth Gatt-Iro & Mag. Dr. Stefan Gatt
Der Imago Dialog gilt als eines der zentralen Werkzeuge in unserer Arbeit: Er verspricht Verbindung, Ver-
ständnis und Heilung. Durch Spiegeln, Validieren und empathisches Zuhören sollen selbst tiefe Konflikte
transformiert werden.
Doch was passiert, wenn diese Transformation ausbleibt?
Viele Paare erleben, dass sie trotz intensiver „Beziehungsarbeit“ immer wieder an ähnliche Grenzen stoßen.
Gespräche werden geführt, Verständnis wächst – und doch verändert sich Entscheidendes nicht.
Statt Klarheit entstehen Erschöpfung, Hilflosigkeit und Verzweiflung.
Dieser Workshop lädt dazu ein, den Imago Dialog aus einer ungewohnten Perspektive zu betrachten:
im Kontext von Macht, Prägung und patriarchalen Strukturen, die unsere Beziehungen – oft unbewusst –
mitgestalten.
Workshop B
Inseln der Sicherheit schaffen: Imago-Dialog in Zeiten von Trauma und Krise
Workshop-Leiter*innen: Orli Wahrmann, PHD., MSW Englisch mit deutscher Übersetzung von Lea Simone Bogner
In Zeiten von Trauma und Krise – sei es durch Krieg, Verlust, Krankheit oder plötzliche Lebensveränderungen
– bricht die Fähigkeit zum Dialog oft als Erstes zusammen. Einzelpersonen und Paare sind überwältigt,
dysreguliert und können nicht mehr auf die relationalen Ressourcen zugreifen, die sie sonst tragen.
Dieser Workshop baut auf der Keynote „Der/Die Imago Therapeut*in als sicherer Hafen in Zeiten des
Krieges“ auf und bietet praktische Ansätze für die Arbeit mit Paaren unter anhaltendem Stress. Die Teil-
nehmenden lernen, Trauma-Reaktionen wie Übererregung (Hyperarousal), Erstarrung (Shutdown) oder
Dissoziation in Echtzeit zu erkennen, zwischen entwicklungsbedingtem und krisenbedingtem Trauma zu
unterscheiden und geeignete Interventionen anzuwenden. Der Fokus liegt nicht auf der Traumabehandlung
an sich, sondern darauf, Paaren zu helfen, in Verbindung zu bleiben, während das Trauma präsent ist.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Auswirkungen von Krisen auf Kommunikation, Nähe, Berührung und
Sexualität – Bereiche, die oft beeinträchtigt sind, wenn Sicherheit fehlt. Die Teilnehmenden werden in einen
traumasensiblen, Imago-basierten Ansatz eingeführt und lernen, einzuschätzen, wann Dialog möglich ist,
wie Regulation unterstützt werden kann und wie der Kontakt aufrechterhalten wird, ohne Überforderung zu
verstärken. Darüber hinaus erleben die Teilnehmenden ein bis zwei angepasste Imago Dialogprozesse für Krisenzeiten,
die Partner dabei unterstützen, ihre Erfahrungen zu teilen und kleine Momente der Sicherheit und Anerken-
nung zu schaffen. Die Teilnehmenden verlassen den Workshop mit praktischen Werkzeugen, einem klareren
Verständnis von Trauma in Paarbeziehungen und größerer Sicherheit in der Arbeit mit gestörter Verbindung
unter Stress.
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15.30 Uhr
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17.00 Uhr
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Die Kraft des Dialogs: Imago in herausfordernden Zeiten
Ein Gespräch mit Harville Hendrix, PhD (online zugeschaltet) und Maya Kollman, M.A., PhD Englisch mit deutscher Übersetzung von Eva Wessely
In einer Welt, die zunehmend von Polarisierung, Entfremdung und relationaler Belastung geprägt ist, war
die Notwendigkeit eines bewussten, transformativen Dialogs noch nie so dringend wie heute. Dieses weg-
weisende 90-minütige Gespräch bringt Harville Hendrix, Ph.D. — Mitbegründer der Imago Beziehungs-
therapie und Bestsellerautor von "Du sollst meinen Mangel kennen" — und Maya Kollman, eine führende
Stimme in der Imago-Praxis und -Ausbildung, zusammen, um das tiefgreifende Heilungspotenzial des
bewussten Dialogs in unseren persönlich und kollektiv schwierigsten Momenten zu erkunden.
Gestützt auf jahrzehntelange klinische Erfahrung, theoretische Weiterentwicklung und gelebte Praxis werden
Hendrix und Kollman untersuchen, wie der Imago Dialog — verwurzelt in den Prinzipien des Spiegelns, der
Validierung und der Empathie — nicht nur als Werkzeug für Paare in Konfliktsituationen dient, sondern als
Modell für tiefere menschliche Verbindung in allen relationalen Kontexten. Gemeinsam werden sie erkunden,
wie Sicherheit, Präsenz und bewusstes Zuhören Zyklen der Reaktivität unterbrechen und neue Wege des
Verstehens eröffnen können.
Dieses Gespräch wird sich damit befassen, wie globale Unsicherheit, kulturelle Erschütterungen und die
Erosion des zivilisierten Diskurses uns zu den Grundlagen relationaler Heilung zurückrufen — und warum das
Imago Konzept sowohl eine zeitgemäße als auch zeitlose Antwort bietet. Die Teilnehmenden werden einge-
laden, darüber nachzudenken, wie Dialog, wenn er mit Disziplin und Mitgefühl praktiziert wird, zu einem Akt
des Mutes wird: eine radikale Entscheidung, in Verbindung zu bleiben, auch wenn Distanz leichter erscheint.
Ob Sie ein/e erfahrene/r Imago Therapeut*in, ein/e Paarberater*in oder ein/e Praktiker*in sind, der/die,
in turbulenten Zeiten die Komplexität menschlicher Beziehungen navigiert — diese Sitzung bietet eine
inspirierende und erdende Rückkehr zum Kern der Arbeit: dem Raum zwischen zwei Menschen, in dem
Transformation möglich wird.
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